Warum wir keine Sucralose verwenden?

Warum wir keine Sucralose verwenden?

| verfasst von Inge Steiner, Bestseller-Autorin, 09.11.2023 – aktualisiert 08.01.2026 |

Nur weil „Light“ auf der Verpackung steht, sollte man ein Produkt keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Ganz im Gegenteil: Der Süßstoff Sucralose ist in vielen Softdrinks, Light-Produkten, Fertiggerichten und Proteinriegeln enthalten – und gilt mittlerweile als zunehmend umstritten.

Ein wichtiger Auslöser dieser Debatte war eine Ernährungsleitlinie der World Health Organization aus dem Jahr 2023. Darin empfiehlt die WHO, Süßstoffe nicht routinemäßig zur langfristigen Gewichtskontrolle einzusetzen. In den Medien folgten daraufhin Schlagzeilen wie „WHO warnt vor Süßstoffen“ oder „WHO rät von Süßstoffen ab“.

Diese Berichterstattung sorgte für Verunsicherung – auch bei mir. Ich habe diese Warnungen zunächst übernommen und in einem früheren Blogartikel thematisiert. Doch je intensiver ich mich mit der wissenschaftlichen Datenlage beschäftigte, desto klarer wurde mir: Das Thema Süßstoffe – und insbesondere Sucralose – muss deutlich differenzierter betrachtet werden, als es viele Schlagzeilen vermuten lassen.

Zum einen, weil in der WHO-Empfehlung alle zugelassenen Süßstoffe gemeinsam bewertet wurden, ohne zwischen einzelnen Substanzen zu unterscheiden. Zum anderen, weil in vielen Beiträgen nicht ausreichend erklärt wird, ob und in welchem Ausmaß tatsächlich gesundheitliche, ökologische oder technologische Risiken bestehen.

Genau hier setzt dieser Artikel in seiner überarbeiteten und aktualisierten Fassung an: Er soll einordnen, erklären – und transparent darlegen, warum wir uns bei STEINER’s bewusst gegen Sucralose entschieden haben.

Begriffsklärung: Was ist Sucralose?

Sucralose ist ein synthetisch hergestellter Süßstoff und zählt zur Gruppe der sogenannten Nicht-Zucker-Süßstoffe. Häufig kommt es hier zu Verwirrung, da die Begriffe Süßstoffe und Süßungsmittel oft gleichgesetzt werden.

Der Begriff Süßungsmittel umfasst sowohl synthetische als auch natürliche Substanzen, die einen süßen Geschmack erzeugen. Dazu gehören neben Süßstoffen auch Zuckeraustauschstoffe wie Erythrit oder Xylit, die sich chemisch und physiologisch deutlich unterscheiden.

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Eine Person süßt ihren Kaffee mit Süßstoff. Die Person hat ein Hemd mit der Farbe Lila an. Die Tasse steht auf einem Holztisch.
Warum wir bewusst auf Süßstoffe wie Sucralose verzichten?

Süßstoffe besitzen eine extrem hohe Süßkraft – teils bis zu 3.000-fach süßer als Zucker – und werden deshalb häufig eingesetzt, um Zucker zu ersetzen. Innerhalb der zugelassenen Mengen gelten sie als sicher. Dennoch empfehlen Fachgremien wie die WHO, den regelmäßigen Konsum synthetischer Süßstoffe kritisch zu hinterfragen, insbesondere im Zusammenhang mit langfristiger Gewichtskontrolle.

Die WHO rät von folgenden Süßstoffen zur Gewichtsreduktion ab:

  • Acesulfam K (E950)
  • Advantam (E969)
  • Aspartam (E951)
  • Cyclamat (E952)
  • Neotam (E961)
  • Saccharin (E954)
  • Stevia (E960)
  • Sucralose (E955)

Dass Stevia, ein Süßstoff natürlichen Ursprungs, in dieser Liste auftaucht, sorgt häufig für Verwirrung. Der Grund liegt in der Methodik der WHO: Sie unterscheidet nicht zwischen „natürlich“ und „synthetisch“, sondern bewertet funktional, wie stark ein Stoff süßt und welchen Einfluss er auf das Ernährungsverhalten hat.
Stevia gilt nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand bei üblichem Verzehr als gesundheitlich sicher.

Sucralose: Studien belegen Auswirkungen auf das Mikrobiom

Einige Süßstoffe stehen im Verdacht, das Mikrobiom des Darms zu beeinflussen. Eine vielbeachtete Studie aus Israel zeigte, dass der Konsum von Sucralose, Saccharin und Aspartam die Glukosetoleranz verschlechtern kann, was zu einer schlechten Regulierung des Blutzuckerspiegels führen kann. Dies könnte langfristig das Risiko für Diabetes und andere Stoffwechselstörungen erhöhen.

In der Studie nahmen 120 Teilnehmende Süßstoffe über einen Zeitraum von zwei Wochen zu sich. Besonders Sucralose und Saccharin fielen durch Veränderungen im Darmmikrobiom auf, die mit einer ungünstigeren Blutzuckerregulation verbunden waren. Die Reaktionen fielen individuell sehr unterschiedlich aus. Weitere Forschung ist hier notwendig.

In Stücke geschnittene Haferriegel mit Trockenfrüchte. Die iegel sind gestapelt in einer kleinen Schale. Der Hintergrund ist verschwomen und dunkelblau.

Süßstoffe können Darmbakterien beeinflussen

Eine weitere Studie des International Journal of Molecular Sciences zeigte ebenfalls auf, dass Süßstoffe wie Sucralose, Saccharin und Aspartam die Darmbakterien negativ beeinflussen können. In Labor und Tierversuchen konnten sie die Darmwand durchdringen und Entzündungsprozesse begünstigen.

Experten sehen bei Sucralose auch ein erhöhtes Risiko für das Leaky-Gut-Syndrom in Verbindung mit durchlässiger Darmschleimhaut. Typische Symptome sind Schmerzen im Bauch, Durchfall, Blähungen und ein Völlegefühl. Belege aus Humanstudien liegen bislang nicht vor.

Gefahr für Diäten: Sucralose als Appetitanreger?

Es gibt auch Hinweise darauf, dass Süßstoffe den Appetit anregen und Hungergefühle verstärken könnten, was den gewünschten kalorienreduzierenden Effekt zunichte macht.

So zeigt eine aktuelle Studie, an der auch die Universität Tübingen beteiligt war, dass Sucralose das Gehirn verwirren und so den Appetit anregen kann.

Süßstoffe sind daher nur für bestimmte Lebensmittel und innerhalb festgelegter Höchstmengen zugelassen. Diese basieren auf dem sogenannten ADI-Wert (Acceptable Daily Intake), der die Menge beschreibt, die lebenslang täglich aufgenommen werden kann, ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen zu erwarten.

Sucralose als Umweltproblem

Neben gesundheitlichen Fragestellungen spielt für uns auch die Umweltverträglichkeit eine zentrale Rolle. Sucralose ist chemisch äußerst stabil und wird in Kläranlagen nur unzureichend abgebaut – Schätzungen gehen von lediglich 10–15 % Abbaurate aus.

Der überwiegende Teil gelangt nahezu unverändert in Flüsse, Seen und Grundwasser, wo Sucralose weltweit nachgewiesen wird. In der Umweltforschung gilt sie inzwischen als Indikator für Abwasserbelastung – ein Befund, der in ähnlicher Weise auch für Acesulfam-K gilt.

Ein Stoff, der sich dauerhaft im Wasserkreislauf anreichern kann, passt für uns nicht zu einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis.

Technischer Aspekt: Erhitzen von Sucralose

Ein oft übersehener, aber für uns relevanter Punkt betrifft die Hitzestabilität von Sucralose. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Sucralose bei starker Erhitzung – ab etwa 120 °C – nicht vollständig stabil bleibt.

Unter diesen Bedingungen kann es zu einem teilweisen Abbau kommen, bei dem chlorierte Abbauprodukte entstehen können, die als potenziell problematisch gelten. Da die Datenlage hierzu noch nicht abschließend ist, empfiehlt das BfR vorsorglich, sucralosehaltige Lebensmittel nicht stark zu erhitzen, etwa beim Backen, Braten oder Frittieren.

Für uns ist dieser Hinweis besonders relevant, da Sucralose häufig in stark verarbeiteten Lebensmitteln eingesetzt wird, die durchaus hohen Temperaturen ausgesetzt sind.

Unsere Konsequenz

Keiner dieser Aspekte für sich genommen würde Sucralose automatisch „verbieten“. Doch in der Gesamtschau – mögliche Effekte auf Mikrobiom und Stoffwechsel, Hinweise auf eine Beeinflussung der Appetitregulation, ökologische Persistenz und technologische Einschränkungen bei Hitze – ergibt sich für uns ein klares Bild.

Deshalb verzichten wir bei STEINER’s bewusst auf Sucralose.

Ein Löffel mit einem weißem Pulver auf einem dunkelblauen Untergrund.

Zuckeraustauschstoffe – unsere bevorzugte Alternative

Wir setzen stattdessen auf Zuckeraustauschstoffe natürlichen Ursprungs wie Erythrit und Isomalt. Diese dürfen laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Lebensmitteln ohne festgelegten ADI-Wert eingesetzt werden und gelten bei üblichem Verzehr als sicher. 

  • Darmflora: Im Gegensatz zu Sucralose wird Erythrit zu 90 % bereits im Dünndarm aufgenommen und über den Urin ausgeschieden. Er erreicht den Dickdarm kaum (wo die meisten Bakterien sitzen). Studien zeigen daher nahezu keinen Effekt auf die Zusammensetzung der Darmbakterien.  Isomalt ist präbiotisch. Es wird im Dünndarm kaum aufgenommen und landet fast vollständig im Dickdarm. Dort dient es als Nahrung für „gute“ Bakterien (wie Bifidobakterien). Stevia wandert unverdaut in den Dickdarm. Dort wird es von den Bakterien abgebaut. Interessanterweise deuten einige Studien darauf hin, dass Stevia neutrale bis leicht positive Effekte auf das Mikrobiom haben könnte (ähnlich wie ein Präbiotikum), solange die Dosis moderat bleibt. Es macht Bakterien bisherigen Erkenntnissen nach nicht „aggressiv“ gegen die Darmwand.
  • Gehirn & Sättigung: Erythrit löst im Gegensatz zu Sucralose die Ausschüttung von Sättigungshormonen (wie CCK und GLP-1) im Darm aus, obwohl er keine Kalorien hat. Das Gehirn erhält also ein echtes „Ich bin satt“-Signal. Stevia aktiviert die Süßrezeptoren, scheint aber das Belohnungszentrum im Gehirn weniger stark „zu verwirren“ als künstliche Stoffe wie Sucralose. Der Heißhunger-Effekt (Cravings) ist in Studien deutlich geringer ausgeprägt.

Diese Eigenschaften sowie unsere eigenen Erfahrungen bestärken uns darin bei STEINER’s Produkten auf Erythrit und Isomalt zu setzen und ergänzend Erythrit + Stevia anzubieten.


Quellen:



Haftungsausschluss: Alle Links wurden zwischen 13. und 17. Oktober 2023 sowie 07. November 2023 aufgerufen. Zudem der Link zur neuen Studie zu Sucralose am 05.06.25. Die Informationen in dem Artikel beziehen sich auf die zu dem Zeitpunkt zur Verfügung gestellten Fakten.

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