Endometriose & Ernährung: Wie Insulin, Blutzucker und Entzündungen zusammenhängen

Endometriose & Ernährung: Wie Insulin, Blutzucker und Entzündungen zusammenhängen

| verfasst von Inge Steiner, Bestseller-Autorin, 07.01.2026 |

Monatliche Schmerzen, so stark, dass man am liebsten aus der eigenen Haut fahren würde: Endometriose ist eine chronische, entzündliche Erkrankung, die Millionen Frauen betrifft – oft jahrelang unentdeckt. Viele Betroffene leiden unter starken Schmerzen, Übelkeit, Schwindel oder Erschöpfung, häufig ohne ernst genommen zu werden. Die Diagnose dauert im Schnitt sieben bis zehn Jahre. Doch selbst danach fühlen sich viele allein gelassen. Ein Bereich, in dem Betroffene selbst aktiv werden können, ist die Ernährung. Dieser Artikel verbindet persönliche Erfahrungsberichte mit dem Blick auf Insulin, Entzündungen und ballaststoffreiche Low Carb-Ernährung.

Erfahrungsberichte: Endometriose – eine schmerzhafte Odysee

Als mir Christin, eine gute Bekannte, von ihrem jahrelangen Leiden erzählte, konnte ich es kaum glauben: Bereits mit 19 Jahren begann ihre Odyssee mit einer Blutzyste. Die Diagnose erhielt sie erst mit 29 – nach einem langen Ärztemarathon. Doch selbst danach wurde ihr kaum geholfen.

Alles begann mit starken Bauchschmerzen und Übelkeit. Hinzu kamen heftige Kopfschmerzen, die zeitweise so schlimm waren, dass sie in einem abgedunkelten Raum liegen musste, sowie ständige Schwindelanfälle. Die Ärzte, die sie konsultierte, sprachen es nicht offen aus, doch der Unterton war eindeutig: Die Beschwerden seien vermutlich psychischer Natur. Frei nach dem Motto eines „jungen Mädchens“, das seine Symptome dramatisiere. Niemand zog in Erwägung, dass es sich um Endometriose handeln könnte.

Erst als sie ohnmächtig wurde und sich selbst ins Krankenhaus einweisen ließ, wurde der wahre Grund für ihr Leiden erkannt – zehn Jahre später.

Hormone als Therapie bei Endometriose

Als Therapie wurden ihr Hormone verschrieben, die ihren Östrogenspiegel senkten. Sie könne vermutlich keine Kinder bekommen und müsse damit leben. Niemand erklärte Christin, was in ihrem Körper tatsächlich vor sich ging oder wie sie selbst aktiv zu ihrem Wohlbefinden beitragen könnte. Die Beschwerden besserten sich trotz Hormontherapie nicht wesentlich. Die entzündlichen Prozesse schritten fort. Sie war dauernd müde, schlecht gelaunt, depressiv verstimmt. Irgendwann entschied sie sich die Therapie abzubrechen und ihre Ernährung umzustellen. Sie reduzierte Zucker und Kohlenhydrate. Die gute Nachricht vorweg: Christin ist heute Mama und ihr Körper ist entzündungsfrei.

Ähnlich erging es Beate. Auch sie litt jahrelang unter vergleichbaren Symptomen, bevor sie schließlich die für sie niederschmetternde Diagnose erhielt: Endometriose und Lipödem – zwei chronische Erkrankungen, die bislang als nicht heilbar gelten. Doch was genau bedeutet diese Diagnose im Leben einer Frau?

Endometriose Symptome: Eine Erkrankung mit vielen Gesichtern

Endometriose entsteht, wenn gebärmutterähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Typischerweise an der Außenfläche der Gebärmutter, den Eierstöcken, Eileitern, der Bauchdecke oder dem Darm. Diese Herde reagieren auf Hormone – insbesondere Östrogen – und verursachen chronische Entzündungen.

Typische Symptome der Endometriose:

  • starke Regelschmerzen

  • Unterbauch- und Rückenschmerzen

  • Übelkeit, Verdauungsprobleme

  • Kopfschmerzen und Migräne

  • Schwindel, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme

  • Fruchtbarkeitsprobleme


Da viele dieser Beschwerden unspezifisch sind, werden sie häufig verharmlost oder psychologisiert.

Warum Entzündungen bei Endometriose eine zentrale Rolle spielen

Endometriose ist eigentlich keine rein gynäkologische Erkrankung, sondern betrifft den gesamten Körper. Chronische Entzündungen fördern Schmerzreaktionen, das Wachstum von Endometrioseherden und hormonelle Ungleichgewichte. Ein wichtiger Treiber dieser Entzündungen kann der Insulinspiegel sein.

Insulin, Blutzucker und Endometriose – ein unterschätzter Zusammenhang

Insulin reguliert nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern wirkt im Körper auch als Wachstums- und Entzündungsfaktor. Genau das macht Insulin im Zusammenhang mit Endometriose so relevant – und aus meiner Sicht wird dieser Zusammenhang noch immer unterschätzt.

Ein dauerhaft hoher oder stark schwankender Insulinspiegel kann Entzündungsprozesse verstärken, das Wachstum hormonabhängiger Gewebe fördern und den Östrogenspiegel beeinflussen. Östrogen wiederum spielt eine zentrale Rolle bei Entstehung und Aktivität von Endometrioseherden. Ein stabiler Insulinspiegel kann daher indirekt dazu beitragen, hormonelle Ungleichgewichte abzufedern und entzündliche Prozesse zu beruhigen.

Warum Endometriose den Blutzucker beeinflussen kann

Viele Betroffene berichten von starken Blutzuckerschwankungen, insbesondere nach dem Essen. Das ist kein Zufall: Endometriose kann den Stoffwechsel auf mehreren Ebenen beeinflussen.

1. Chronische Entzündungen und Hormonungleichgewicht 

Endometriose ist eine entzündliche Erkrankung. Diese chronischen Entzündungen können die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen beeinträchtigen und so eine Insulinresistenz begünstigen. Gleichzeitig beeinflussen sich Insulin, Östrogen und andere Hormone gegenseitig – das hormonelle Gleichgewicht gerät leichter aus der Balance.

2. Stress, Schmerzen und Cortisol

Chronische Schmerzen und der dauerhafte Umgang mit der Erkrankung bedeuten Stress. Dabei schüttet der Körper vermehrt Cortisol aus, ein Hormon, das den Blutzucker erhöhen kann, indem es die Glukoseproduktion in der Leber ankurbelt. Anhaltender Stress kann so sowohl den Blutzucker als auch die Insulinreaktion des Körpers stören.

3. Verdauungsprobleme und Nahrungsaufnahme

Ist Endometriose im Bauchraum oder Darm aktiv, können Verdauungsprozesse verlangsamt oder unregelmäßig ablaufen. Kohlenhydrate gelangen dann verzögert oder ungleichmäßig ins Blut – die Folge sind unvorhersehbare Blutzuckerreaktionen nach dem Essen.

Meiner Bekannten Christin ging es erst deutlich besser, nachdem ein entzündlich veränderter Darmabschnitt entfernt wurde, der von Endometriose betroffen war. Zuvor wurde ihr nach dem Essen häufig übel, sie zitterte, hatte Kreislaufprobleme und fühlte sich insgesamt instabil. Nach dem Eingriff besserten sich diese Symptome spürbar.

Interessanterweise verbesserte sich auch ihr Hautbild nahezu sofort. Hatte sie zuvor unter ständig wiederkehrenden Hautausschlägen gelitten, waren diese quasi über Nacht verschwunden. Die Haut ist eben nicht nur ein Spiegel unserer Seele, sondern sehr häufig auch unseres Darms.

4. Medikamentöse Therapie

Auch Medikamente können eine Rolle spielen. Hormonpräparate, Schmerzmittel oder entzündungshemmende Medikamente können Stoffwechsel, Appetit oder Blutzucker beeinflussen. Das erklärt, warum manche Betroffene erst im Verlauf der Behandlung Blutzuckerprobleme bemerken.

Auch Medikamente können eine Rolle spielen im Zusammenhang von Endometriose und Blutzucker.

Kann Ernährung Endometriose beeinflussen?

Es gibt Hinweise darauf, dass eine antientzündliche, blutzuckerstabile Ernährung bei Endometriose unterstützend wirken kann. Besonders Ernährungsformen wie Low Carb- oder die mediterrane Ernährung zielen darauf ab, Entzündungen zu reduzieren und den Hormonhaushalt zu stabilisieren – zwei Faktoren, die bei Endometriose eine zentrale Rolle spielen.

Eine Ernährung, die reich an Gemüse, gesunden Fetten und magerem Eiweiß und gleichzeitig zucker- und stark kohlenhydratarm ist, kann helfen, Insulinspitzen zu vermeiden und entzündliche Prozesse im Körper zu dämpfen.

Natürlich spielen auch Bewegung und Stressmanagement eine wichtige Rolle. Meiner Meinung nach ist jedoch gerade die Ernährung ein entscheidender Hebel, mit dem Betroffene selbst aktiv Einfluss auf ihr Wohlbefinden nehmen können.

Was wirkt sich positiv auf dein Wohlbefinden aus und was solltest du bei Endometriose vermeiden?

Worauf du bei Endometriose achten solltest? Was du bei Endometriose vermeiden solltest?
Unterschiedliches Gemüse Zucker und zuckerreiche Lebensmittel
Gesunde Fette (z.B. Avocado, Nüsse, Olivenöl) Transfette, rotes Fleisch
Mageres Eiweiß (z.B. Huhn, Fisch, Tofu) Verarbeitete und raffinierte Kohlenhydrate
Entzündungshemmende Lebensmittel (z.B. Omega-3-reiche Fische wie Lachs oder Makrele, Leinsamen, Kurkuma, Ingwer, Beeren, grünes Blattgemüse) Weißmehlprodukte
Regelmäßige Bewegung und moderates Ausdauertraining unterstützt Stabilisierung des Blutzuckerspiegels Stark verarbeitete Lebensmittel wie Pizza & Salami
Ausreichend Schlaf Stress

 

Wenn der Blutzucker nach dem Essen stark abfällt 

Besonders auffällig ist es, wenn der Blutzucker nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten stark absinkt – etwa auf Werte um 60 mg/dL. Symptome wie Zittern, Schwindel, Schwäche oder Unwohlsein können auf eine reaktive Hypoglykämie hindeuten.

Dabei reagiert der Körper auf Kohlenhydrate mit einer übermäßigen Insulinausschüttung. Der Blutzucker steigt zunächst an, fällt dann aber ein bis zwei Stunden nach dem Essen stark ab. Das kann bei Insulinresistenz, hormonellen Dysbalancen oder anhaltenden Entzündungen auftreten.

Endometriose-Hilfe durch blutzuckerstabile Ernährung 

Aus meiner Erfahrung und aus Gesprächen mit Betroffenen ergibt sich ein klares Bild: Ein Fokus auf blutzuckerstabile Ernährung ist bei Endometriose besonders sinnvoll.

  • Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index bevorzugen

  • Zucker und stark verarbeitete Kohlenhydrate reduzieren

  • Regelmäßige Mahlzeiten mit Eiweiß, gesunden Fetten und Gemüse
  • Stress aktiv reduzieren, z. B. durch Bewegung oder Entspannungstechniken

Bei anhaltenden oder ausgeprägten Symptomen ist es wichtig, Blutzucker- und Insulinwerte ärztlich abklären zu lassen – etwa durch permanente Glukosemessungen oder einem oralen Glukosetoleranztest (OGTT).

Fazit: Ernährung als Teil der Selbstwirksamkeit

Endometriose betrifft Körper, Psyche und Alltag. Eine angepasste Ernährung kann Betroffenen helfen, Entzündungen zu reduzieren, den Stoffwechsel zu stabilisieren und sich wieder handlungsfähig zu fühlen. Meiner Bekannten hat sie geholfen ihre Beschwerden massiv zu lindern. Ein Versuch ist es also auf jeden Fall wert.


Wichtiger Hinweis:

Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine medizinische, therapeutische oder rechtliche Beratung dar. Sie ersetzen nicht die individuelle Beratung durch medizinisches Fachpersonal. Für Entscheidungen in Bezug auf Ernährung, Gesundheit oder Behandlung wird keine Haftung übernommen.

Quellen:

Helbig et al. (2021, Review): Ernährung mit hohem Anteil komplexer Kohlenhydrate und Ballaststoffe wirkt antientzündlich und ist biologisch plausibel günstiger für hormonelle/entzündliche Prozesse. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7870287

Schwartz et al. (2022): Höherer GI ist mit höherem Endometriose-Risiko verbunden. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9445851/

Noormohammadi et al. (2025): Mediterrane Ernährung reduziert Odds für Endometriose, vermutlich über antientzündliche Mechanismen https://www.nature.com/articles/s41598-025-20621-6

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