Sirup ist auf einem weißen Tisch verteilt. In dem Sirup liegt ein Teelöffel und mehrere Zuckerwürfel.

Fettleber - Vorsicht vor Dattelsirup, Agavendicksaft und Co.

I verfasst von Inge Steiner, Bestseller-Autorin, 20.03.2026 I

Mit der wachsenden Zahl an Lebensmitteln, die uns Zuckerfreiheit versprechen, könnte man meinen, dass die Ernährung gesünder wird. Doch oft sind es gerade diese „gesunden“ Alternativen, die uns in die Irre führen.
Der wohlklingende Zucker in vermeintlich „natürlichen“ Produkten kann unserer Gesundheit im Übermaß genauso schaden wie herkömmlicher Haushaltszucker. Man könnte böse sagen: Er ist der Wolf im Schafspelz.

„Zuckerfrei“, „natürlich“, „ohne Zusatz“ – eine trügerische Werbebotschaft

Insbesondere Bio-Artikel oder Baby- und Kindernahrung werben mit Aussagen wie: „Nur mit der Süße aus Früchten.“,„Ohne Zuckerzusatz. Zutaten enthalten von Natur aus Zucker“,„Ganz ohne Zusätze – für einen natürlichen Genuss“.
Das klingt gesund. Das klingt verantwortungsvoll. Gerade ernährungsbewusste Eltern greifen hier guten Gewissens zu.
Doch die entscheidende Frage lautet: Ist es wirklich besser – oder heißt der Zucker nur anders?

Wir zeigen dir, worauf du beim Kauf achten und wo du in Zukunft genauer hinschauen solltest. Und wir verraten dir auch, was die Gänsestopfleber mit einer „Menschenstopfleber“ gemein hat.

Fruchtzucker besser als klassischer Haushaltszucker?

Wenn ein Produkt damit beworben wird, dass es keinen zugesetzten Zucker enthält, bedeutet das lediglich, dass es keinen klassischen Haushaltszucker (Saccharose) enthält. Das bedeutet aber nicht, dass weniger Zucker enthalten ist.

Zucker trägt heute viele natürlich klingende Namen:
Datteln, Dattelsirup, Agavendicksaft, Birnendicksaft, Apfelmark, Bananenpulver, Honig oder Fruchtsaftkonzentrat.

Unserem Körper ist aber egal, ob der Zucker aus Bio-Agave, Kokosblüte oder Haushaltszucker stammt. Er liest keine Etiketten. Für ihn ist alles Zucker, den er verarbeiten muss. Und ein Zuviel überfordert ihn langfristig.

Lesetipp: Zuckerersatz im Vergleich– welche Alternativen sind wirklich gesund?

Ein Baby sieht in die Kamera und wird mit Brei gefüttert.

Fruktose in Kinder- und Babyprodukten – eine unterschätzte Gefahr

Gerade Produkte für Kinder enthalten häufig große Mengen Fruchtzucker – oft versteckt in Sirupen oder Dicksäften.

Die WHO empfiehlt, freie Zucker möglichst auf unter 10 % der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen – idealerweise unter 5 %. Das entspricht bei Kindern etwa 20–25 g pro Tag.

Viele Snacks für Kleinkinder liefern diese Menge bereits mit einer einzigen Portion! Getrocknete Apfelringe zum Beispiel enthalten rund 60 g Zucker pro 100 g. Eine kleine Kinderhand voll – etwa 30 bis 40 g – liefert damit schon bis zu 20–25 g Zucker. Oder die beliebten Quetschies. Sie kleckern nicht, Kinder können daran saugen – praktisch für unterwegs.

Ein einzelner Quetschie-Beutel liefert bis zu 15 g Zucker – überwiegend aus Fruchtzucker.

Ein Apfel sättigt. Ein Quetschie nicht – er wird nebenbei weggesaugt. Genau das macht den Unterschied. Ich könnte hier unzählige Beispiele nennen.

Besonders kritisch sehe ich Produkte, die mit Agavendicksaft gesüßt werden. Er hat einen sehr hohen Fruktoseanteil. In größeren Mengen belastet er die Leber und begünstigt eine Insulinresistenz. Er hat keinen gesundheitlichen Vorteil gegenüber Haushaltszucker – aufgrund seines hohen Fruktoseanteils ist er metabolisch sogar ungünstiger zu bewerten.

Fruktoselastige Zucker und ihre Wirkung auf die Leber

Sehr hoher Fruktoseanteil

  • Agavendicksaft / Agavennektar (ca. 70–90 % Fruktose)

  • Fruktosesirup / HFCS (ca. 55–90 % Fruktose)

  • Birnendicksaft (ca. 60–70 % Fruktose),
  • Apfeldicksaft / Apfelsirup (ca. 55–65 % Fruktose)

Hoher Fruktoseanteil

  • Dattelsirup (ca. 50–60 % Fruktose)

  • Dattelpulver (ca. 30–35 % Fruktose, stark konzentriert)

  • Honig (ca. 40 % Fruktose)

  • Feigensirup / Feigenkonzentrat (ca. 50–60 % Fruktose)

  • Traubensirup / Traubenmostkonzentrat (ca. 40–50 % Fruktose)

Mittel, aber relevant bei häufiger Verwendung

  • Fruchtsaftkonzentrat (z. B. Apfel-, Birnen-, Trauben-)

  • Fruchtpulver allgemein (z. B. Apfel-, Mango-, Beerenpulver)

  • Invertzucker (ca. 50 % Glukose / 50 % Fruktose)

Haushaltszucker (Saccharose, ca. 50 % Glukose / 50 % Fruktose)

Bio bedeutet nicht automatisch zuckerarm oder leberfreundlich

Bio bedeutet weniger Pestizide. Das ist gut.
 Bio bedeutet nachhaltiger Anbau. Das ist sinnvoll.
Aber Bio bedeutet nicht automatisch zuckerarm oder stoffwechselfreundlich.

Ich kaufe selbst so oft wie möglich Bio. Doch bei verarbeiteten Bio-Produkten muss man genau hinschauen. Gerade hier wird auffällig häufig mit Fruchtsüßen gearbeitet, die metabolisch keinen Vorteil bieten.

Auf einem Holztisch liegen verschiedene Obstsorten.

Fruchtzucker aus ganzen Früchten – warum das etwas anderes ist

Fruchtsüße hört sich gesund an. Früchte sind ja schließlich gesund, haben wir gelernt. Und das stimmt auch – wenn wir sie im Ganzen essen.

Ein Apfel mit Schale oder eine Orange enthalten nicht nur Fruchtzucker, sondern auch Ballaststoffe, Vitamine und viele andere Mikronährstoffe. Die Ballaststoffe sorgen dafür, dass der Zucker langsamer aufgenommen wird. Der Blutzucker steigt moderater an und der Körper kann ihn gut verarbeiten.

Ich empfehle deshalb ein bis zwei Portionen ganze, unverarbeitete Früchte am Tag – aber nicht mehr. Und bitte nicht als Saft.

Flüssiger Zucker in Form von Säften, Smoothies oder Softgetränken ist meiner Meinung nach das Problematischste, was wir unserem Körper in puncto Zuckerkonsum antun können.

Ob ich ein Glas Orangensaft oder eine Cola trinke, macht für die Leber kaum einen Unterschied. Beides enthält sehr viel Zucker. Ja, Cola enthält zusätzlich Phosphorsäure – aber wer denkt, Orangensaft sei ein gesunder Vitaminlieferant, der täuscht sich.

Überspitzt gesagt: Es ist ein orange gefärbtes Zuckergetränk. 
Man trinkt es schnell, ohne satt zu werden. Ballaststoffe fehlen fast vollständig.

Der regelmäßige Konsum zuckerhaltiger Getränke kann das Risiko für eine nichtalkoholische Fettleber deutlich erhöhen. Leider sind inzwischen auch immer mehr Kinder betroffen.

Ein Glas Orangensaft und ein Glas Cola stehen auf einem Tisch. Daneben liegt eine Orangenscheibe.

Fruktose, Glukose und der Stoffwechsel – was passiert im Körper?

Glukose geht direkt ins Blut. Der Blutzucker steigt. Die Bauchspeicheldrüse reagiert mit Insulin. Das kann man heute messen, mit einem CGM (kontinuierliche Glukosemessung) tracken und sichtbar machen. Blutzuckerschwankungen spürt man schnell: Heißhunger, Müdigkeit, Leistungstief.

Fruktose wirkt leiser. Sie lässt den Blutzucker kaum ansteigen. Kein starker Insulinpeak. Viele Hersteller argumentieren genau damit: „Keine Blutzuckerschwankungen“, „besser für den Stoffwechsel“.

Doch Fruktose umgeht zwar die Bauchspeicheldrüse – nicht aber die Belastung.
→ Sie geht direkt in die Leber.

Dort entscheidet sich, was mit ihr passiert. In kleinen Mengen ist das unproblematisch. Kommt jedoch regelmäßig viel Fruktose an – vor allem in flüssiger oder konzentrierter Form – beginnt die Leber, einen Teil davon in Fett umzuwandeln. Dieses Fett lagert sich entweder direkt in der Leber ab oder wird als sogenanntes viszerales Fett im Bauchraum gespeichert – also als das Fett, das Entzündungen fördert und langfristig unseren Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringen kann.

Eine Leber, die dauerhaft mit Fett beschäftigt ist, arbeitet nicht mehr optimal.

Aber genau das sollte sie – denn sie ist eines der zentralen Stoffwechselorgane. Sie reguliert Blutzucker zwischen den Mahlzeiten, produziert wichtige Eiweiße, steuert Entgiftungsprozesse und beeinflusst Entzündungsreaktionen. Ist sie überlastet, leidet der gesamte Energiehaushalt.

Eine überlastete Leber verliert ihre metabolische Flexibilität. Und genau diese Flexibilität entscheidet darüber, wie gut wir zwischen Fett- und Zuckerverbrennung wechseln können – also wie stabil unsere Energie wirklich ist.

Du kannst dir also merken:
Glukose triggert primär die Bauchspeicheldrüse.
Fruktose primär die Leber.
Beides kostet Stoffwechselkapazität.
Langfristig kann das krank machen. 

Mir geht es aber vor allem um das Hier und Jetzt.
Wir wollen doch alle leistungsfähig bleiben.
Wir möchten stabile Energielevels.
Klare Gedanken. Kein Nachmittagstief.
Keine chronische Müdigkeit.

Und ich möchte sensibilisieren, dass unsere Leber häufiger leidet, als die meisten denken.

In einer Grasschale liegen getrocknete Dateln.

Von der Gänsestopfleber zur Menschenstopfleber – warum Datteln & Dattelsirup problematisch sind

Kommen wir zu meiner „Lieblingsfrucht“, die momentan überall als gesund gehypt wird: der Dattel.

Gefühlt jeder Gesundheits-Influencer bäckt mit Datteln. Im Handel gibt es unzählige Produkte, die damit gesüßt werden: Energyballs, Dattelschokolade, Riegel, Dattel-Haselnusscreme, getrocknete Datteln mit Apfel oder Cola-Aroma (Hilfe!). Wenn es so weiter geht, dann sind Datteln bald der neue Haushaltszucker, mit all seinen negativen Folgen.

Datteln, frisch vom Baum und in moderaten Mengen konsumiert, sind in Ordnung. Zwei bis drei Stück am Tag sind für einen gesunden Stoffwechsel in der Regel unproblematisch.

Meist werden Datteln jedoch getrocknet angeboten. Sie enthalten rund 30 g Fruktose pro 100 g. Noch konzentrierter wird es in Pulverform – und besonders in Sirup.

Dattelsirup ist ein gekochter, filtrierter Dattel-Extrakt. Er ist kalorienreich, fruktoselastig und wirkt schnell auf Leber und Stoffwechsel. Er genießt ein natürliches Image, ist aber im Kern flüssiger Zucker mit natürlichem Aroma.
Wenn man regelmäßig Produkte mit Dattelsirup und anderen Fruktosequellen konsumiert, geht es einem wie einer Gans in der Antike. Die Römer fütterten ihre Gänse mit Datteln, um aromatische Gänseleber zu produzieren. Auch heute wird Stopfleber als Delikatesse unter dem Namen „Foie gras“ angeboten. Es ist nichts anderes als eine krankhaft vergrößerte Fettleber.

Natürlich ist unser Alltag nicht mit Stopfmast vergleichbar. Aber das Prinzip ist dasselbe: Wird die Leber dauerhaft mit großen Mengen Fruktose konfrontiert, speichert sie Fett. Man könnte zugespitzt sagen: Mit vermeintlich gesunden Snacks, Riegeln und zuckerhaltigen Getränken schaffen wir uns eine Menschenstopfleber – auch nichtalkoholische Fettleber genannt.

Die nichtalkoholische Fettleber – eine stille Warnung

Das Gefährliche daran: Eine überlastete Leber schmerzt nicht.
 Sie meldet sich nicht laut. Sie arbeitet still weiter. Über Jahre.

Oft wird eine Fettleber zufällig entdeckt – beim Ultraschall oder durch erhöhte Leberwerte.

Mich hat es tief getroffen, als eine Mutter aus dem Fußballverein meines damals zwölfjährigen Sohnes mich fragte, was sie tun könne. Ihr Sohn war leicht übergewichtig. Die Diagnose: Fettleber.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass ihr nicht bewusst war, welchen Einfluss insbesondere Säfte, Softgetränke und vermeintlich gesunde Snacks haben. Wir leben in einer Zeit, in der Zucker nicht mehr Zucker heißt.
 Er nennt sich Dattelsirup. Agavendicksaft. Fruchtsüße. Er klingt weich. Natürlich. Harmlos.
Eine Fettleber betrifft nicht nur ein Organ. Sie verändert den gesamten Stoffwechsel. Sie erhöht das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Entzündungen.

Zucker in welcher Form auch immer ist kein Feind. Aber die tägliche Flut ist es.

Auf einem rosa Untergrund liegen viele braune Zuckerwürfel und ein Teelöffel

„Zuckerfrei“ ist nicht gleich zuckerfrei – warum genaues Hinschauen entscheidend ist

Wenn wir bei unseren STEINER’s Produkten „zuckerfrei“ ausloben, dann ist tatsächlich kein Zucker drin, auch nicht unter anderem Namen.
Wir stehen für Transparenz – und für echte Alternativen.

Wenn wir „zuckerarm“ sagen, dann sprechen wir von 1–2 g Zucker pro 100 g. Mehr nicht. Dieser geringe Anteil stammt ausschließlich aus dem natürlich in den Rohstoffen enthaltenen Zucker – nicht aus zugesetzten Sirupen oder Konzentraten.
Auch hier gilt: klare Deklaration statt Marketing-Tricks.

Für die Süße setzen wir auf den Zucker-Ersatz Erythrit oder eine Erythrit-Stevia-Mischung. Eine Süße, die den Blutzucker nicht beeinflusst. Eine Süße, die die Leber in Ruhe lässt. Eine Süße ohne relevanten Stoffwechselstress.
Genuss darf bleiben. Aber die Dauerbelastung darf gehen.
Deshalb gilt grundsätzlich – nicht nur bei uns: Verlass dich nicht allein auf den Claim.

Ein Blick auf die Zutatenliste und die Nährwerttabelle zeigt, was wirklich drinsteckt. Schau beim nächsten Einkauf genauer hin. Der „gesunde“ Snack oder Fruchtsaft kann mehr Stoffwechselstress verursachen, als du denkst. Dieser Blick und dieses Wissen helfen dir dabei, dass dein Stoffwechsel auch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren noch für dich arbeitet – und nicht gegen dich.


Quellen:

Softic, S., Cohen, D. E., & Kahn, C. R. (2023). Dietary sugar and fructose: direct effects on de novo lipogenesis and insulin sensitivity. Journal of Endocrinology

Deutsche Apotheker Zeitung (2019). Fructose – süße Gefahr.

Todoric, J., Di Caro, G., Reibe, S., Henstridge, D. C., Green, C. R., Vrbanac, A., … Karin, M. (2020). Fructose stimulated de novo lipogenesis is promoted by inflammation.

 

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