Erythrit –  gefährlicher als Zucker? Was aktuelle Studien wirklich zeigen

Erythrit – gefährlicher als Zucker? Was aktuelle Studien wirklich zeigen

I verfasst von Inge Steiner, Bestseller-Autorin, 24.11.24 I überarbeitet: 26.03.2026

Erythrit ist ein Zuckeralkohol, der als gesunder Zuckerersatz gilt, vor allem, weil er keine Kalorien enthält und keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel hat. Erythrit wird in geringen Mengen vom Körper selbst produziert. In der Natur kommt er in Obst und Pilzen vor und wird industriell durch einen Fermentierungsprozess gebildet.

2023 sorgte eine Studie (Cleveland Clinic-Studie) für Schlagzeilen: Sie beobachtete einen statistischen Zusammenhang zwischen Erythrit-Blutspiegeln bei vorerkrankten Probanden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – also ein Vergleich innerhalb einer bereits vorerkrankten Gruppe, nicht zwischen gesunden und kranken Menschen – ohne jedoch nachweisen zu können, dass Erythrit die Ursache ist. Die Autoren selbst betonen, dass unklar ist, ob Erythrit tatsächlich schädlich ist. Im Jahr 2025 folgte eine weitere Studie aus den USA, die mögliche Effekte auf Gefäßzellen im Gehirn untersuchte.

Die zentrale Frage lautet daher: Was bedeuten diese Studien wirklich für den Alltag?

Vorweg: Gesundheitsbehörden wie die EFSA (Europa) und die FDA (USA) stufen Erythrit weiterhin als sicher ein – ohne festgelegte Höchstmengen. Diese Bewertung basiert auf der Gesamtheit der wissenschaftlichen Daten, insbesondere auch auf Studien am Menschen.

Einordnung Studien und Medien

Werden solche Ergebnisse ohne Kontext kommuniziert, entstehen schnell falsche Schlussfolgerungen.

So wird beispielsweise im öffentlich-rechtlichen Fernsehen - aber auch auf anderen Plattformen - vom Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl behauptet: „Jetzt konnte in Studien nachgewiesen werden, dass das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um bis zu 60 Prozent ansteigen kann.“

Und genau hier liegt das Problem:

Zum einen wurde hier nichts „nachgewiesen“, sondern lediglich ein statistischer Zusammenhang in einer Beobachtungsstudie festgestellt.

Zum anderen wird nicht eingeordnet, worauf sich diese „60 % “ überhaupt beziehen – nämlich auf eine Risikoerhöhung innerhalb einer bereits vorerkrankten Gruppe und nicht auf die Allgemeinbevölkerung.

Eine solche pauschale Risikoaussage ist auf dieser Grundlage wissenschaftlich nicht haltbar.

Was es gibt, sind Beobachtungsstudien und ergänzende Laboruntersuchungen, auf die im Folgenden noch detaillierter eingegangen wird. Diese liefern wichtige Hinweise – erlauben aber keine direkten Aussagen über reale Gesundheitsrisiken für Menschen im Alltag.

Und genau deshalb ist es entscheidend, Studien richtig einzuordnen.

Tausende Studien zu negativen Auswirkungen von Zucker

Ist Erythrit also möglicherweise gefährlicher als Zucker? Ein Blick auf die Studienlage hilft bei der Einordnung:

Zu Erythrit gibt es mehrere hundert Studien – überwiegend mit positiven oder neutralen Ergebnissen und nur wenige, die mögliche negative Effekte beobachteten.

Ganz anders sieht es bei Zucker aus: Hier existieren weltweit tausende Studien. Allein in der Datenbank PubMed finden sich über 100.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen.

Viele dieser Studien zeigen klare kausale Zusammenhänge zwischen hohem Zuckerkonsum und Erkrankungen wie Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Karies und Lebererkrankungen. Darunter sind auch große Langzeitstudien und randomisierte kontrollierte Studien – also besonders aussagekräftige Forschung.

Starker Zuckerkonsum kann grvierende Folgen haben

Wichtige Studien zu Zucker und Gesundheitsrisiken:

  • Framingham Heart Study: Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Harvard (2013): Zuckerhaltige Getränke erhöhen das Risiko für Diabetes und Übergewicht
  • The Lancet (2016): Zucker als zentraler Treiber für Fettleibigkeit und chronische Krankheiten

Fazit: Die gesundheitsschädlichen Effekte von übermäßigem Zuckerkonsum sind wissenschaftlich gut belegt.

Doch gilt das auch für Erythrit? Schauen wir uns das im nächsten Abschnitt genauer an.

Was ist Erythrit und wie wirkt es im Körper?

Erythrit ist ein Zuckeralkohol, der in vielen zuckerreduzierten Lebensmitteln verwendet wird. Er enthält keine Kalorien, beeinflusst den Blutzuckerspiegel nicht und wird größtenteils unverändert wieder ausgeschieden.

Erythrit ist seit den 1990er Jahren in vielen Ländern zugelassen, in Europa seit 2006 – ohne spezielle Einschränkungen für Diabetiker oder Kinder. Über viele Jahre gab es trotz vieler Studien keine Hinweise auf gesundheitliche Nachteile durch den Konsum.

Die Cleveland Clinic-Studie (2023) und ihre Kontroversen

2023 veröffentlichte die Cleveland Clinic eine Studie in Nature Medicine.

Es wurden Blutproben von überwiegend älteren, vorerkrankten Menschen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko analysiert. Einige wiesen sehr hohe Erythrit-Werte im Blut auf – Daraus wurde ein statistischer Zusammenhang berechnet, der als erhöhtes Risiko interpretiert wurde – ohne zu klären, woher diese hohen Werte überhaupt stammen. Sprich, es wurde nicht untersucht, ob diese Personen überhaupt Erythrit konsumiert hatten.

Es handelt sich also um einen statistischen Zusammenhang – aber keine ursächliche Wirkung. Die erhöhten Werte könnten also auch andere Ursachen haben.

Mögliche alternative Erklärungen

Erythrit wird auch vom Körper selbst gebildet – insbesondere im Rahmen des Zuckerstoffwechsels. Tatsächlich wurden erhöhte Erythrit-Spiegel bereits in Studien gemessen, lange bevor Erythrit überhaupt als Süßungsmittel verbreitet war.

Das spricht dafür, dass erhöhte Werte auch ein Marker für bestehende Stoffwechselprobleme sein könnten, dass also der Körper Erythrit möglicherweise als Reaktion auf bestimmte gesundheitliche Zustände selbst produziert – und nicht die Ursache ist.

Fazit

Neue Studie (2025) – was wurde untersucht?

2025 gab es eine weitere Studie aus den USA. Forschende der University of Colorado untersuchten, wie Erythrit auf Zellen von Blutgefäßen im Gehirn wirkt. (Berry et al., Journal of Applied Physiology, 2025).

Wichtig: Es handelte sich um eine Laborstudie (In-vitro). Dabei wurden isolierte Gefäßzellen für wenige Stunden Erythrit ausgesetzt – also unter stark vereinfachten Bedingungen, die den Alltag nicht realistisch abbilden.

Was wurde beobachtet?

Die Forscher beobachteten mehrere Effekte, wie eine verminderte Gefäßentspannung, verstärkte Gefäßverengung und eine verminderte Fähigkeit, Blutgerinnsel aufzulösen.

Diese Effekte könnten theoretisch das Risiko für Gefäßprobleme erhöhen.

Grenzen der Studie (entscheidend für die Bewertung)

So interessant diese Ergebnisse sind – sie haben klare Einschränkungen:

  • Es wurden keine Menschen untersucht, sondern isolierte Zellen

  • Die Effekte wurden nur kurzfristig (wenige Stunden) beobachtet

  • Der menschliche Stoffwechsel wurde nicht berücksichtigt

Solche Studien zeigen mögliche Mechanismen – aber keine realen Gesundheitsrisiken im Alltag.

Was bedeutet das insgesamt:

  • Es gibt Beobachtungsstudien, die hohe Erythrit-Spiegel mit Herzrisiken verbinden

  • Es gibt Laborstudien mit möglichen Zell-Effekten

  • Es gibt keinen Beleg, dass normaler Erythrit-Konsum Krankheiten verursacht

Zudem ist wichtig:
Der Körper produziert Erythrit selbst – erhöhte Blutwerte sind daher nicht automatisch auf die Ernährung zurückzuführen.

Einzelne Studien liefern Hinweise, aber keine Beweise für gesundheitliche Risiken beim Menschen.

Fazit: Erythrit oder Zucker – Was ist besser für die Gesundheit?

Zusammenfassend gilt: ein übermäßiger Zuckerkonsum ist eindeutig gesundheitsschädlich und mit zahlreichen chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weiteren Folgeproblemen verbunden.

Für Erythrit gibt es nach aktuellem Stand der Forschung keine belastbaren Hinweise darauf, dass ein üblicher Konsum im Alltag vergleichbare gesundheitliche Risiken verursacht.

Die aktuellen Studien liefern wichtige Hinweise, aber keine Beweise für eine tatsächliche Gefährdung beim Menschen. Weitere Forschung ist notwendig, um mögliche langfristige Effekte abschließend zu bewerten. Es ist wünschenswert, dass langfristige Studien am Menschen untersuchen, wie sich regelmäßiger Erythrit-Konsum auswirkt.

Wir setzen in unseren STEINER's Kuchenbackmischungen und Kuchen weiterhin Erythrit ein, weil für uns die Vorteile klar überwiegen und wir Zucker als die eigentliche Bedrohung ansehen.

FAQ: Häufige Fragen zu Erythrit

Erhöht Erythrit das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall?

Derzeit gibt es keine Studie, die belegt, dass der Konsum von Erythrit Herzinfarkte oder Schlaganfälle verursacht. Einige Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen hohen Erythrit-Blutspiegeln und kardiovaskulären Ereignissen bei Vorerkrankten. Diese Ergebnisse erlauben jedoch keine Aussage darüber, ob Erythrit die Ursache ist oder lediglich ein Marker für bestehende Stoffwechselstörungen.

Stimmt es, dass das Risiko um bis zu 60 % steigen kann?

Eine solche konkrete Risikoerhöhung durch den Konsum von Erythrit ist wissenschaftlich nicht belegt.
Die genannte Zahl stammt aus einer Beobachtungsstudie, in der Personen mit den höchsten Erythrit-Blutwerten innerhalb einer bereits vorerkrankten Gruppe dieses statistisch erhöhte Risiko aufwiesen.

Macht Erythrit das Blut „klebrig“?

In Laborstudien wurden Effekte auf Blutplättchen beobachtet. Diese Studien wurden jedoch unter stark vereinfachten Bedingungen durchgeführt und lassen keine direkten Rückschlüsse auf den menschlichen Alltag oder langfristige Gesundheitsrisiken zu.

Produziert der Körper selbst Erythrit?

Ja. Erythrit wird im menschlichen Körper selbst gebildet, insbesondere im Rahmen des normalen Glukosestoffwechsels. Erhöhte Blutspiegel können daher auch unabhängig von der Ernährung auftreten.

Ist Erythrit sicher?

Nach aktuellem Stand bewerten Behörden wie die EFSA (Europa) und die FDA (USA) Erythrit als sicher. Diese Einschätzung basiert auf der Gesamtheit der verfügbaren wissenschaftlichen Daten, insbesondere auch auf Studien am Menschen.

Ist Erythrit besser als Zucker?

Übermäßiger Zuckerkonsum ist eindeutig mit zahlreichen gesundheitlichen Risiken verbunden, darunter Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettleibigkeit. Erythrit hat keinen Einfluss auf Blutzucker und Insulin und wird daher häufig als sinnvolle Alternative zu Zucker eingesetzt – insbesondere im Rahmen einer reduzierten Zuckeraufnahme.

    Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte, findet hier seriöse Quellen:

    Auswirkungen von Erythrit auf die endotheliale Funktion bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2

    Pubmed: Erythritol is a sweet antioxidant

    Nutrients (2023) Erythritol: An In-Depth Discussion of Its Potential to Be a Beneficial Dietary Component

    Nutrients(2023): Elevated Erythritol: A Marker of Metabolic Dysregulation or Contributor to the Pathogenesis of Cardiometabolic Disease?

      Haftungsausschluss: Alle Links wurden zwischen 19. und 20. März 2026 aufgerufen. Die Informationen in dem Artikel beziehen sich auf die zu dem Zeitpunkt zur Verfügung gestellten Fakten.

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