I verfasst von Inge Steiner, Bestseller-Autorin, 24.11.24 I überarbeitet: 23.05.2026
Erythrit ist ein Zuckeralkohol, der als gesunder Zuckerersatz gilt, weil er keine verwertbaren Kalorien enthält und weder Blutzucker noch Insulin beeinflusst. Neuere Studien zeigen zudem wiederholt, dass er Sättigungshormone wie GLP-1 stimuliert, die Magenentleerung verlangsamt, die Konzentration des Hungerhormons Ghrelin senkt - damit also kurzfristig den Appetit sowie die Kalorienaufnahme senken kann.
In der Natur kommt er in Obst und Pilzen vor und wird industriell durch einen Fermentierungsprozess gebildet.
Weniger bekannt ist: Erythrit wird auch vom menschlichen Körper selbst produziert.
Bei gesunden Menschen geschieht dies nur in kleinen Mengen. Studien zeigen jedoch, dass der Körper bei metabolischem Stress – etwa bei Übergewicht, Insulinresistenz, Diabetes oder bestimmten Stoffwechselstörungen – deutlich mehr Erythrit bilden kann. Deshalb gelten erhöhte Erythrit-Blutspiegel heute auch als möglicher Marker für Stoffwechselstörungen und nicht automatisch als Folge eines hohen Erythrit-Konsums.
2023 sorgte eine Studie (Cleveland Clinic-Studie), an der auch der deutsche Kardiologe Dr. Witkowski beteiligt war, für Schlagzeilen: Sie beobachtete einen statistischen Zusammenhang zwischen hohen Erythrit-Blutspiegeln bei vorerkrankten Probanden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Studie verglich also nicht gesunde Menschen mit kranken Menschen, sondern untersuchte Unterschiede innerhalb einer ohnehin metabolisch belasteten Hochrisikogruppe.
Besonders bemerkenswert:
Einige Blutproben der Cleveland-Clinic-Studie stammten aus Zeiträumen, bevor Erythrit überhaupt als Süßungsmittel verbreitet verwendet wurde. Die gemessenen Erythrit-Werte müssen dort also überwiegend körpereigen entstanden sein.
Genau dieser Punkt wird in vielen Medienberichten bis heute kaum erwähnt.
Stattdessen wird häufig der Eindruck vermittelt, Erythrit selbst sei als Süßungsmittel direkt für Herzinfarkte oder Schlaganfälle verantwortlich.
2025 folgte eine weitere Studie aus den USA, die mögliche Effekte von Erythrit auf Gefäßzellen im Gehirn untersuchte. Dabei handelte es sich um eine reine Laborstudie (In-vitro) an isolierten Zellen – also nicht um Untersuchungen am Menschen selbst. Diese Studie wurde von vielen Medien als Bestätigung der Cleveland-Clinic-Studie dargestellt.
Ebenfalls 2025 erschien jedoch eine große wissenschaftliche Übersichtsarbeit im renommierten Fachjournal Cardiovascular Research – einer der wichtigsten Fachzeitschriften im Bereich Herz-Kreislauf-Forschung.
Die Autoren aus den Bereichen Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf-, Gefäß- und Ernährungsmedizin analysierten darin genau diese beiden Studien sowie zahlreiche weitere Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten Forschung und ordneten diese deutlich vorsichtiger ein.
Die zentrale Aussage der Review lautet: Hohe Erythrit-Blutspiegel können auch entstehen, ohne dass jemand jemals Erythrit konsumiert hat.
Zudem weisen die Autoren darauf hin, dass Tiere selbst nach jahrelangem Konsum großer Mengen Erythrit oder Xylit weder häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelten noch früher starben.
Außerdem verweisen sie auf seltene genetische Stoffwechselstörungen, bei denen Menschen dauerhaft massiv erhöhte Erythrit-Blutspiegel entwickeln — ohne dass diese durch Erythrit-Konsum entstehen und ohne bekannte erhöhte Thromboseneigung.
Die bisherigen Hinweise auf mögliche Auswirkungen auf Blutplättchen stammen ausschließlich aus kleinen Kurzzeitstudien sowie Labor- und Tierexperimenten unter künstlichen Bedingungen. Ob sich solche Effekte überhaupt auf den normalen menschlichen Alltag übertragen lassen, ist bislang völlig unklar.
Die Autoren der Übersichtsarbeit betonen ausdrücklich, dass derzeit keine klinischen Langzeitstudien am Menschen existieren, die zeigen, dass üblicher Erythrit-Konsum Herzinfarkte oder Schlaganfälle erhöht.
Gesundheitsbehörden wie die EFSA (Europa) und die FDA (USA) stufen deshalb Erythrit weiterhin als sicher ein – ohne festgelegte Höchstmengen. Diese Bewertung basiert auf der Gesamtheit der wissenschaftlichen Daten, insbesondere auch auf Studien am Menschen.
Einordnung Studien und Medien
Interessanterweise wurden die beiden Studien über mögliche negative Wirkungen von Erythrit in den Medien breit getreten. Schlagzeilen wie : Vermeintlich harmloses Süßungsmittel erhöht Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt sorgten für massive Verunsicherung.
Die deutlich differenziertere wissenschaftliche Einordnung, die genau diese Studien kritisch analysierte und in den Kontext der gesamten bisherigen Forschung stellte, bekommt dagegen bis heute kaum Aufmerksamkeit.
Dabei wäre es die Aufgabe insbesondere des öffentlich-rechtlichen Fernsehens - aber auch anderer Plattformen - dies neu zu bewerten. Stattdessen wird weiterhin u.a. vom Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl, auch als NDR Ernährungs-Doc bekannt, behauptet: „Jetzt konnte in Studien nachgewiesen werden, dass das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um bis zu 60 Prozent ansteigen kann.“
Es wurde nichts „nachgewiesen“, sondern lediglich ein statistischer Zusammenhang in einer Beobachtungsstudie festgestellt.
Unabhängig davon ordnet Riedl nicht ein, worauf sich seine „60 % “ beziehen – nämlich auf die statistische Risikoerhöhung innerhalb dieser bereits vorerkrankten Gruppe und nicht etwa bezogen auf die Allgemeinbevölkerung.
Ohne entsprechende Einordnung kann bei vielen Menschen der Eindruck entstehen, das Risiko steige generell um 60 Prozent in der Gesamtbevölkerung. Und genau so wurden die Aussagen von vielen Menschen verstanden. Uns erreichten viele besorgte Zuschriften und Anrufe von Kunden.
Deshalb ist es entscheidend, Studien richtig einzuordnen. Menschen, die eine Alternative zu Zucker suchen, sind häufig bereits Insulinresistent oder haben Diabetes. Gerade sie müssen vollumfänglich aufgeklärt und nicht zusätzlich verunsichert werden.
Für sie stellt sich -wie für uns alle- die Frage: was ist das geringere Risiko: Zucker oder Erythrit.
Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht sind die gesundheitlichen Risiken von übermäßigem Zuckerkonsum deutlich besser belegt als mögliche Risiken eines üblichen Erythrit-Konsums.
Tausende Studien zu negativen Auswirkungen von Zucker
Zu Erythrit gibt es mehrere hundert Studien – überwiegend mit positiven oder neutralen Ergebnissen und nur zwei, die mögliche negative Effekte beobachteten.
Ganz anders sieht es bei Zucker aus: Hier existieren weltweit tausende Studien. Allein in der Datenbank PubMed finden sich über 100.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen.
Viele dieser Studien zeigen klare kausale Zusammenhänge zwischen hohem Zuckerkonsum und Erkrankungen wie Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Karies und Lebererkrankungen. Darunter sind auch große Langzeitstudien und randomisierte kontrollierte Studien – also besonders aussagekräftige Forschung.

Wichtige Studien zu Zucker und Gesundheitsrisiken:
- Framingham Heart Study: Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Harvard (2013): Zuckerhaltige Getränke erhöhen das Risiko für Diabetes und Übergewicht
- The Lancet (2016): Zucker als zentraler Treiber für Fettleibigkeit und chronische Krankheiten
Die gesundheitsschädlichen Effekte von übermäßigem Zuckerkonsum sind wissenschaftlich gut belegt.
Fazit: Erythrit oder Zucker – Was ist besser für die Gesundheit?
Zusammenfassend gilt: ein übermäßiger Zuckerkonsum ist eindeutig gesundheitsschädlich und mit zahlreichen chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weiteren Folgeproblemen verbunden.
Für Erythrit gibt es nach aktuellem Stand der Forschung keine belastbaren Hinweise darauf, dass ein üblicher Konsum im Alltag vergleichbare gesundheitliche Risiken verursacht.
Das bedeutet nicht automatisch, dass Erythrit völlig risikofrei ist — sondern dass die derzeitige Datenlage keine belastbaren Beweise für die medial oft dargestellten Gefahren liefert.
Weitere Forschung ist notwendig, um mögliche langfristige Effekte abschließend zu bewerten. Es ist wünschenswert, dass langfristige Studien am Menschen untersuchen, wie sich regelmäßiger Erythrit-Konsum auswirkt.
Wir setzen in unseren STEINER's Kuchenbackmischungen und Kuchen weiterhin Erythrit ein, weil für uns die Vorteile klar überwiegen und wir Zucker als die eigentliche Bedrohung ansehen.
FAQ: Häufige Fragen zu Erythrit
Erhöht Erythrit das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall?
Derzeit gibt es keine Studie, die belegt, dass der Konsum von Erythrit das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle erhöht.
Stimmt es, dass das Risiko durch Erythrit um bis zu 60 % steigen kann?
Nein, eine solche konkrete Risikoerhöhung durch den Konsum von Erythrit ist wissenschaftlich nicht belegt.
Die genannte Zahl stammt aus einer Beobachtungsstudie, in der Personen mit den höchsten Erythrit-Blutwerten innerhalb einer bereits vorerkrankten Gruppe dieses statistisch erhöhte Risiko aufwiesen.
Macht Erythrit das Blut „klebrig“?
In Laborstudien wurden Effekte auf Blutplättchen beobachtet. Diese Studien wurden jedoch unter stark vereinfachten Bedingungen durchgeführt und lassen keine direkten Rückschlüsse auf den menschlichen Alltag oder langfristige Gesundheitsrisiken zu.
Produziert der Körper selbst Erythrit?
Ja. Erythrit wird im menschlichen Körper selbst gebildet. Bei gesunden Menschen geschieht dies nur in kleinen Mengen. Studien zeigen jedoch, dass der Körper bei metabolischem Stress – etwa bei Übergewicht, Insulinresistenz, Diabetes oder bestimmten Stoffwechselstörungen – deutlich mehr Erythrit bilden kann. Deshalb gelten erhöhte Erythrit-Blutspiegel heute auch als möglicher Marker für Stoffwechselstörungen und nicht automatisch als Folge eines hohen Erythrit-Konsums.
Ist Erythrit sicher?
Nach aktuellem Stand bewerten Behörden wie die EFSA (Europa) und die FDA (USA) Erythrit als sicher. Diese Einschätzung basiert auf der Gesamtheit der verfügbaren wissenschaftlichen Daten, insbesondere auch auf Studien am Menschen.
Ist Erythrit besser als Zucker?
Übermäßiger Zuckerkonsum ist eindeutig mit zahlreichen gesundheitlichen Risiken verbunden, darunter Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettleibigkeit. Erythrit hat keinen Einfluss auf Blutzucker und Insulin und wird daher häufig als sinnvolle Alternative zu Zucker eingesetzt – insbesondere im Rahmen einer reduzierten Zuckeraufnahme.
Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte, lege ich vor allem diese Studie aus 2025 nahe, die direkten Bezug auf die Cleveland Studie nimmt und diese relativiert
Weitere Quellen:
Auswirkungen von Erythrit auf die endotheliale Funktion bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2
Regulation of Erythritol Metabolism, a Biomarker of Cardiometabolic Disease
Pubmed: Erythritol is a sweet antioxidant
Haftungsausschluss: Alle Links wurden zwischen 19. und 20. Mai 2026 aufgerufen. Die Informationen in dem Artikel beziehen sich auf die zu dem Zeitpunkt zur Verfügung gestellten Fakten.